Satiremagazin Simplicissimus

Simplicissimus

 
Das weltoffene und kunstsinnige München der Jahrhundertwende leuchtete nicht nur, es lachte auch. Rund 60 Satire-Journale konkurrierten damals auf dem Münchner Humormarkt und zogen talentierte Zeichner an die Isar. So auch den Norweger Olaf Gulbransson, der für eine Zeitschrift arbeitete, die heute ein Teil der Kunstgeschichte ist: den Simplicissimus.
 
Die nach der Romanfigur von Grimmelshausen benannte Zeitschrift war, als Gulbransson zu ihr kam, bereits höchst erfolgreich. Der welterfahrene und ein wenig dandyhafte Verleger Albert Langen hatte in der aufsteigenden Kunstmetropole München talentierte Künstler gefunden, mit denen er 1896 seine Pläne für ein kritisches Blatt mit moderner Graphik umsetzen konnte. Zeichner wie Thomas Theodor Heine – der Erfinder der roten Dogge –, Eduard Thöny, Karl Arnold sowie Schriftsteller wie Frank Wedekind und Ludwig Thoma machten das Münchner Satire-Journal in ganz Deutschland und Europa bekannt.
 
Der typische Simplicissimus-Stil – Verzicht auf naturalistische Farbabstufungen zugunsten eines plakativen, flächigen Zeichnens – war damals eine Innovation und prägt die moderne Graphik bis heute. Der schnelle Erfolg des Simplicissimus hängt aber auch mit einer Reihe von Verboten, Beschlagnahmungen und spektakulären Prozessen zusammen: Die Zeitschrift galt als gefährlich, was sie für die Leser natürlich umso interessanter machte und die Auflage steigerte.
 
Während des 1. Weltkriegs verzichtete der Simplicissimus auf seine kritische Linie und stellte sich ganz in den Dienst der nationalen Propaganda. In den Jahren nach 1918 erlangte er aber bald seine geistreiche Schärfe wieder. Den Nazismus hatte er bereits früh erkannt und sich dazu entschieden, ihn lächerlich zu machen. Nach 1930 wurde sein Kampf immer dezidierter und schließlich verzweifelt bis er ihn 1933 verloren geben musste. Er wurde wie die anderen Zeitungen und Zeitschriften von den Nationalsozialisten gleichgeschaltet.
 
Versuche, den Simplicissimus nach dem 2. Weltkrieg wiederzubeleben, scheiterten. Der Markt für Satirezeitschriften ist eng geworden, es existieren nur noch zwei Blätter. Eine ähnliche Bedeutung wie sie der Simplicissimus hatte, konnte kein Karikaturenjournal mehr erlangen.
 
Alle Ausgaben des Simplicissimus finden Sie hier.