Karikaturen

 

"... Karikaturen nennt er sie. Aber auf mich wirkten sie wie die reine Wirklichkeit. Die wirkliche Wirklichkeit ... Wie alle guten Karikaturen, so sind auch Gulbranssons Zeichnungen den Menschen ähnlicher als die Menschen sich selbst. Denn sie machen das Wesentliche wesentlich und alles Kleine und Zufällige lassen sie klein, unwesentlich und zufällig sein. Ein kleines helles Lächeln bestimmt oft, ob eine Zeichnung Karikatur oder Porträt ist. Fest in der Kontur, einfach in der Form, gebunden von und in der schönen Linie, logisch in der Übertreibung ist Olaf Gulbransson. Er mag nicht das schallende Gelächter, aber das frohe Lächeln, das ein Gesicht klug macht. Sein Kopf ist klar, er wählt und verwirft, bevor er zeichnet. Er hat Gefühl ohne Gefühlsseligkeit. Es hat Humor, aber mit einem Hieb, wenn es notwendig ist, und was er hasst, liebt er zu zeichnen, er beißt sich mit Krokodilzähnen darin fest." [Gunnar Heiberg]

  

 

"Die Kritik an der Gesellschaft seiner Zeit und ihrer Politik hat er aus seinem Weltverständnis formuliert. Für die Objekte seiner Kunst war es ein Glück, dass sie ein Profil bekamen. Olaf Gulbransson hat seine Modelle - die prominenten und die unbekannten - ganz ausgelotet und exakt aufgezeichnet. Man spürt, was ihn fasziniert oder gelangweilt hat. Oft war für ihn ein Detail stellvertretend für die große Aussage - die Wichtigkeit hatte nichts mit der Dimension zu tun. Olaf Gulbransson war freilich kein Politiker. Für ihn waren die Politiker wie Mikroben, die man zu beobachten hatte, und er zeichnete das Geschehene so auf, wie sie ein weiser Lebensfanatiker sehen musste; als exotische und monumentale Wucherungen aus der vielfältigen, aber geordneten Struktur des Lebens.

 

 

Manche sagen, Gulbransson hätte nie gehässige, böse Karikaturen gezeichnet und im Grunde nie verletzt. Das kann man so sehen, denn der große und gelassene Olaf war nie vulgär. Aber seine Personendarstellungen sind auch keineswegs freundlich. Sein Stil hat einen kleinen Trottel zum monumentalen gemacht und damit die Kritik in Kunst umgesetzt.

 

Olaf Gulbransson ist ein Anstoß ohne anstößig zu sein. Seine Blätter haben nicht nur einen gesellschaftspolitischen, sondern auch einen ästhetischen Autrag. Olaf Gulbransson war immer ein Solitär und Trends haben ihn nicht bekümmert. Er hat alle Phänomene in seine Welt verpflanzt. Darum hat er Bestand."

 

[Ernst Maria Lang]