Biographie

Biographie Olaf Gulbransson

 

Leben und Werk

Zeittafel

 

Leben und Werk

 

Olaf Gulbransson wurde 1873 in Christiana, dem späteren Oslo, geboren. Bereits während seines Besuchs der Königlichen Kunst- und Handwerksschule in seiner Heimatstadt veröffentlichte er politische Karikaturen in norwegischen Satirezeitschriften und zeichnet erste Buchillustrationen, 1899 gelang ihm eine erste Ausstellung mit Porträtkarikaturen. Die frühen Arbeiten Gulbranssons sind noch konventionell und orientieren sich sowohl am nordischen Expressionismus und an den holzschnittähnlichen Kompositionen der Art Nouveau und des Jugendstils.

 

 

Im Jahr 1902 folgte Gulbransson einer Einladung des Simplicissimus-Gründers Albert Langen und zog nach München, um an dem 1896 neu gegründeten Satiremagazin mitzuwirken. Erste Karikaturen im Simplicissimus erschienen im Dezember 1902 und machten ihn in Münchner Künstlerkreisen schnell bekannt. Während seiner Zeit beim Simplicissimus entwickelte der Künstler einen eigenen präzis-linearen Stil der sich durch einen zarten filigranen Duktus auszeichnet und durch minimale Darstellung starke Ausdruckskraft erzielt. Die farbigen Arbeiten Gulbranssons sind zumeist durch plakative, von einander abgegrenzte Farbflächen ohne Schattierungen und die Verwendung von Großbuchstaben gekennzeichnet. Die unverwechselbare Handschrift Gulbranssons prägte gemeinsam mit der von Thomas Theodor Heine überwiegend den Stil der Publikationen des Simplicissimus.

1914 wurde Gulbransson in die Berliner Secession aufgenommen und befreundete sich unter anderem mit Max Liebermann, Paul Wegener und Heinrich Zille. 1917 wird er "Ordentliches Mitglied" an der Berliner Akademie der Künste; 1925 erhielt er zusammen mit Edvard Munch die Ehrenmitgliedschaft der Akademie der bildenden Künste München und übernahm eine Professur an der der Akademie angegliederten Königlichen Kunstgewerbeschule München. 1929 trat Gulbransson die Nachfolgeprofessur von Franz von Stuck an der Münchner Akademie der bildenden Künste an und erwarb den "Schererhof" am Tegernsee.

Zur Zeit der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten 1933 fand eine Ausstellung zu Gulbranssons 60. Geburtstag an der Akademie der Künste in Berlin statt, die im Anschluss auch in der Städtischen Galerie in München gezeigt, jedoch zwei Tage nach der Eröffnung vom Reichsleiter der NSDAP - offenbar aufgrund einer dort gezeigten älteren, die deutsche Führung kritisierende Karikatur - geschlossen wurde. Später verhielt sich Gulbransson unkritisch der NSDAP gegenüber. Im selben Jahr noch bezog er gemeinsam mit anderen Künstlern Stellung gegen die "europäische" Wagner-Vorstellung von Thomas Mann; Gulbransson sah darin die Verneinung des "nationalen Weges". In den Kriegsjahren entstanden vor allem Karikaturen gegen die "Feindstaaten", insbesondere gegen Churchill.

Nach dem Krieg zog sich Gulbransson verstärkt auf seinen Schererhof zurück und arbeitete an verschiedenen Illustrationen und Publikationen. 1953 wurde sein Gesamtwerk im Wilhelm-Busch-Museum in Hannover gezeigt, 1955 erhielt er den Förderpreis im Bereich Bildende Kunst der Landeshauptstadt München. Am 18. September 1958 ist Olaf Gulbransson nach einem Schlaganfall auf dem Schererhof gestorben.

 

Zeittafel


1873
Olaf Gulbrandson wird in Christiana (später Oslo) geboren. Er ist Sohn des Buchdruckers Edvard Gulbrandson und von Olava, geb. Caspersen, deren Großeltern aus Schweden eingewandert waren. Olaf war das zweite von vier Kindern.

1885 – 1893
Besuch des „Kongelige Kunst og Haanverkskole“ in Christiana.

seit 1890
Veröffentlichung von Karikaturen in norwegischen Satire-Zeitrschriften (Pluk, Tyrihans, Trangviksposten, Paletten, Fluesoppen), erste Buchillustrationen.

1894
Ableistung des Militärdienstes.

1896
Gründung des Simplicissismus durch Albert Langen und Thomas Theodor Heine.

1897
Am 27. Juli heiratet Olaf Gulbransson Inger Liggern von Oyungen, 1898 Geburt der Tochter Liv, 1901 der Tochter Inga Lisa.

1899
Erste Ausstellung in Christina mit Porträtkarikaturen.

1900
Reise nach Paris, Studium an der Akademie „Cola Rossi“, Ausstellung mit Preis.

1901
Erste Veröffentlichung: „24 Karikaturen“ (bekannter Norweger).

1902
Albert Langen, durch den Dichter Björnstjerne Björnson auf Olaf Gulbransson aufmerksam gemacht, holt diesen nach München zum Simplicissimus als Zeichner, erste Karikatur im Simplicissimus im Dezember 1902.

1906
Einbürgerung in München, Kauf eines Hauses am Englischen Garten (Keferstraße 10, „Kefernest“).
Scheidung von Inga Liggern, Heirat mit Grete Jehly, Tochter des Landschaftsmalers Jakob Jehly aus Bludenz in Vorarlberg.

1912
Figurenentwürfe für die Lohengrin-Parodie von Friedrich Huch für das Marionetten-Theater Münchener Künstler auf der Ausstellung der Secession 1912.
Veröffentlichung „Aus meiner Schublade“.
Studienreise nach Ägypten.
Bühnenausstattung für die „Sklavin aus Rhodus“ von Gustav Meyrink und Roda Roda (Münchner Schauspielhaus).

1914
Mitglied der Freien Secession Berlin.
Veröffentlichung „50 unveröffentlichte Zeichnungen“.

1916
Geburt des Sohnes Olaf Andreas.
Vorübergehend zum Militär eingezogen, dann zum „Propagandadienst“ beim Auswärtigen Amt in Berlin abgestellt.
Freundschaft mit dem Schauspieler Paul Wegener und dem Maler Max Liebermann.

1917
Ordentliches Mitglied der Akademie der Künste in Berlin, Rückkehr nach München.

1922
Auszug aus dem „Kefernest“, wohnt mit seinen Freunden Richard von Below und Herbert von Richthofen eine Zeitlang auf der Hütte Schlattan bei Partenkirchen.
Reise nach Kopenhagen, wo er „Berühmte Dänen“ für die Zeitung „Politiken“ zeichnet.

1923
Professur an der Staatlichen Kunstgewerbeschule München.
Nach der Trennung von Grete Jehly heiratet er Dagny Björnson, Enkelin des norwegischen Dichters Björnstierne Björnson, Tochter von Einar Björnson und Elsbeth Langen, der Schwester von Albert Langen.
Zur Finanzierung der Hochzeitsreise nach Norwegen zeichnet er „Berühmte Norweger“ für die Tageszeitung „Tidens Tegn“ (Oslo).
Aufenthalt in Norwegen bis 1927.

1924
Ausstellung der Berliner Akademie der Künste mit einer Sonderschau Gulbransson, die auch in Dresden und Leipzig gezeigt wird.

1925
Zusammen mit Edvard Munch wird er Ehrenmitglied der Münchner Akademie der bildenden Künste.
Auf Vorschlag Liebermanns wird ihm ein staatliches Atelier in Berlin (Prinz-Albrecht-Straße) zur Verfügung gestellt.

1926/27
Beteiligung an der Ausstellung der Berliner Akademie der Künste.
Illustrationen zu „Däumlieschen und andere Märchen“ von H.C. Andersen.

1927
Er reist nach München, um Th. Th. Heines 60. Geburtstag zu feiern, und bleibt dort. Zwei Jahre lang wohnt er in der Friedrichstraße 19.

1929
Professor an der Akademie der Bildenden Künste in München als Nachfolger von Franz von Stuck.
Kauf des Schererhofes in Tegernsee.

1933
Ausstellung der Akademie der Künste Berlin zu seinem 65. Geburtstag, die im August in der Städtischen Galerie in München gezeigt wird, jedoch auf Anweisung des Reichsleiters der NSDAP zwei Tage nach der Eröffnung geschlossen wird.

1934
Veröffentlichung „Es war einmal“.

1939
Veröffentlichung „Sprüche und Wahrheiten“.

1940
Besetzung Norwegens durch die deutsche Wehrmacht.

1941
Ehrenmitglied des Vereins Berliner Künstler.
Veröffentlichung „Idyllen und Katastrophen“.

1942
Ehrenmitglied der Wiener Akademie der Künste.

1943
Anläßlich des 70. Geburtstages Verleihung der Goethemedaille sowie eines norwegischen Kulturpreises.
Emeritierung als Professor der Akademie der Bildenden Künste in München.

1944
Der Simplicissimus stellt sein Erscheinen ein.

1950
Veröffentlichung „Lieber Olaf! Liebe Franziska!“
Illustrationen zu „Auferstehung“ von Max Dingler.

1953
Ausstellung des Gesamtwerkes im Wilhelm-Busch-Museum Hannover.

1954
Veröffentlichung „Und so weiter“.

1955
Kunstpreis für Malerei und Grafik der Stadt München.
Veröffentlichung „So siehst Du aus“.

1958
Joseph-Drexel-Preis Nürnberg.
Veröffentlichung „Das auch noch“.
Am 18. September stirbt Olaf Gulbransson auf dem Schererhof im 86. Lebensjahr.