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Sonntag, 7. Mai 2017 um 11.30 Uhr

"Im nationalromantischen Kosmos: Carl Jonas Love Almqvist und Bjørnstjerne Bjørnson"

Vortrag von Dr. Luitgard S. Löw, Archäologin

 

Zum Vortrag
Die deutsche Romantik hat auf den skandinavischen Kulturraum einen enormen Einfluss ausgeübt. Einen wichtigen Anteil an der intensiven Auseinandersetzung in der schwedischen Debatte kam hier dem Dichter und Literaturhistoriker Per Daniel Atterbom (1799-1855) zu. Er war einer der ersten, der sich in dem romantischen Kosmos Carl Jonas Love Almqvists (1793-1866) einfinden konnte. Dessen früheste schönliterarischen und theoretischen Schriften entstanden in den ersten Jahren des 19. Jahrhunderts, die in Schweden durch den Übergang vom Gustavianischen Klassizismus zur Romantik und dem Einsetzen des gesellschaftlich-ökonomischen Wandels gekennzeichnet waren. In Norwegen setzte die Romantik später ein und strebte von Anfang an danach, die Nation von den Nachbarstaaten abzugrenzen und kulturell zu definieren. In beiden Ländern verschränkt sich die Nationalromantik mit einem Realismus, der jedoch über die dargestellten Gegebenheiten hinausweist. Zu den bedeutendsten literarischen Vertretern Norwegens zählen zweifellos der Dichter und Politiker Bjørnstjerne Bjørnson (1832-1910) sowie Henrik Ibsen (1828-1906). Der frühe Realismus erlaubt es, allgemeingültige Wahrheiten zu vermitteln. Kulturnationalistische Tendenzen wurden genutzt, um die nationale Identität zu stärken. Das realistische Erzählen im 19. Jahrhundert reagierte auf eine fortdauernde Krisensituation, deren Kern eine tiefe Verunsicherung auf die Verlässlichkeit sinnstiftender Wertvorstellungen war. Das Streben, eine Illusion der Wirklichkeit zu schaffen, in der die in Frage gestellten Werte nach wie vor gelten, ist bis heute aktuell geblieben.
 
Dr. Luitgard S. Löw
Studium in Erlangen und Bamberg, Magister im Fach Volkskunde/Europäische Ethnologie über „Bunzlauer Keramik aus Erlanger Bodenfunden“. Anschließend Teilnahme an Ausgrabungen, Mitarbeit an Ausstellungen und Museumstätigkeit in Österreich, wissenschaftliche Publikationen zur materiellen Kultur des Mittelalters und der Neuzeit mit dem Schwerpunkt Keramik, 1994 – 1997 Mitarbeiterin am Museum für Volkskultur in Spittal/ Drau, 1997 – 1999 Leiterin des Museums Tiroler Bauernhöfe in Kramsach, 2000 – 2003 Übersetzerin, Teamleader bei Medical Radar AB, Göteborg, 2002 Dissertation im Fach Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit über „Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche Keramik aus Oberfranken“, 2003 – 2006 post-doc-Stipendiatin, Forschungsprojekt „Prähistorische Sinnbilder in der völkischen Laienforschung am Beispiel von Herman Wirth“, seit 2007 Privatdozentin an der Universität Bamberg, 2008/9 Wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit und am Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, 2009 – 2011 Leiterin des Nordkapmuseums in Honningsvåg/Norwegen, 2011 – 2015 Direktorin des Museums der bayerischen Könige, Hohenschwangau, seit 2016 Sammlungsmanagerin am Värmlands Museum in Karlstad, Schweden.