Sonderausstellung
 

Ernst Maria Lang

Zum 100. Geburtstag

Zeichnungen aus der Süddeutschen Zeitung aus der Neuen Sammlung, München

Sonderausstellung vom 13. März bis 5. Juni 2016

 

Ernst Maria Lang, geboren 1916 in Oberammergau, gehört zu den bekanntesten deutschen Karikaturisten der Nachkriegszeit. Im Laufe seiner Tätigkeit für die Süddeutsche Zeitung hat er alle wichtigen politischen Ereignisse gezeichnet und damit das spezifische Gesicht der SZ entscheidend mitgeprägt. Ende 2014 ist der Übervater der Karikatur verstorben. Zu seinem 100. Geburtstag widmet ihm das Olaf Gulbransson Museum eine Gedächtnisausstellung mit Exponaten aus dem Bestand der Neuen Sammlung, München. Die Werkschau, in der insgesamt 70 Blätter gezeigt werden, würdigt E.M. Lang aber nicht nur als Karikaturisten, sondern auch als den langjährigen Förderer des Tegernseer Museums.

 

 

Wie viele seiner Kollegen aus der SZ-Redaktion führte E.M. Lang eine Doppelexistenz. Parallel zum Karikaturistendasein war er erfolgreicher Architekt. Mit solchen Projekten wie der Studentenstadt Freimann und dem Hacker-Zentrum an der Theresienhöhe hat er das Münchner Stadtbild entscheidend beeinflusst. Von 1971 bis 1991 leitete er die Bayerische Architektenkammer. Zudem war er Mitglied im Rundfunkrat des Bayerischen Rundfunks und Ehrensenator der TU München. Für sein Wirken erhielt er mehrere Auszeichnungen, darunter den Theodor Wolff Preis für Karikatur, die Ludwig-Thoma-Medaille, den Maximiliansorden sowie die Bayerische Staatsmedaille.

 

 

 

Für die Karikatur begeisterte sich E. M. Lang schon seit den frühen Jugendjahren. In seiner Autobiographie Das Wars. Wars das? (Piper Verlag, 2000) schrieb er dazu: „Für mich war es eine faszinierende Vorstellung, dass alles, was auf der Welt passierte, jeden Tag in der Zeitung stand. Auf diese Weise habe ich die Veränderungen der politischen Landschaft in der Weimarer Republik genau verfolgen können (…) Der Simplicissimus jedoch war ein besonders fettes Futter für meine Karikaturistenseele. Ich habe alle Nummern von 1928 bis 1936 gelesen und war oft wie ein Süchtiger hinter den neuesten Ausgaben her.  Vor allem die großen politischen Karikaturen von Th. Th. Heine, Olaf Gulbransson, Karl Arnold, Eduard Thöny und Erich Schilling sowie die poetischen und oft auch sozialkritischen Blätter von Wilhelm Schulz haben mich stark beeindruckt und animiert.“

 

Die Liebe zur Zeichnung, welche am heimischen Küchentisch begann, fruchtete schließlich in den mehr als 4100 politisch-sozialen Karikaturen, die von 1947 bis 2003 in der SZ veröffentlicht wurden. Sie amüsierten Woche für Woche Millionen Leser und ärgerten auch manchen Politiker. Denn E. M. Langs Humor hatte eine spezifisch bayerische Note, gemütlich, bisweilen leicht derb und ohne Umschweife, ähnlich seinem unverkennbaren reduzierten Zeichenstrich.

 

Neben seiner Tätigkeit für die SZ arbeitete Ernst Maria Lang von 1954 bis 1989 auch für den Bayerischen Rundfunk, unter anderem für die Sendung „Bayern Report“. Darin präsentierte er „politische Balladen“ – mit gereimten Texten unterlegte, sechsteilige Bildergeschichten. Eine dieser Balladen ist in der Ausstellung ebenfalls zu sehen.

 

 

 

Die in der Werkschau präsentierten Karikaturen dokumentieren wie eine Chronik das weltpolitische Geschehen nach 1947. Sie sind Kurzfassungen von Ereignissen und Charakteren, die von keinen Ideologien geprägt wurden, sondern von der Gabe E. M. Langs zur Beobachtung menschlicher Schwächen und Versagen. Diese Fähigkeit, das Wesentliche zu treffen, verbindet ihn letztendlich mit Olaf Gulbransson, dessen geistiges und zeichnerisches Erbe in Werken E. M. Langs seine Fortsetzung fand. Im Tegernseer Museum können nun die beiden Giganten der Karikatur zumindest für eine kurze Zeit wieder aufeinander treffen.

 

Zur Sonderausstellung ist ein Ausstellungskatalog erhältlich: Ernst Maria Lang. Bayern und Ereignisse der Welt. Karikaturen der Süddeutschen Zeitung, hrsg. von Hans Wichmann, Basel / Boston/Berlin 1990.

 

Der Ausstellungsflyer kann hier heruntergeladen werden.