Sonderausstellung
 

"Da bin ich"

Geschichten für Kinder von Wilhelm Busch, F.K. Waechter, Volker Kriegel, Philip Waechter und Luis Murschetz

Sonderausstellung vom 12. Februar bis 14. Mai 2017

 

 

Anlässlich der vom Museum initiierten Neuauflage der Märchen von Hans Christian Andersen mit Zeichnungen von Olaf Gulbransson stehen deutsche Kinderbuchillustrationen von gestern und heute im Zentrum der Ausstellung. Sie beginnt mit Max und Moritz, der Bubengeschichte in sieben Streichen. Als Wilhelm Busch diese 1864 fertig gezeichnet und getextet hatte, ahnte er noch nicht, dass diese für ihn den Durchbruch in seiner Karriere bedeuten sollte. 400.000 Exemplare in deutscher Sprache waren bereits bis zu seinem Tode 1908 verkauft worden, Übersetzungen in elf Sprachen lagen vor. Heute existieren Übersetzungen in über 200 Sprachen und Dialekte. Busch gilt als entscheidender Wegbereiter der modernen Kinderliteratur und des Comics. Zusammen mit diesen Bildergeschichten werden dessen Münchner Bilderbögen wie z.B. „Der hinterlistige Heinrich“ oder „Der Schnuller“ gezeigt.

  

 

Auch Friedrich Karl Waechters poetisch-literarischen Bilderzählungen für Kinder sind mittlerweile zu einem Klassiker geworden. Geboren 1937 hat er sich als Mitglied der Neuen Frankfurter Schule und Chefgrafiker der Zeitschrift „Pardon“ einen Namen gemacht. Im dem Buch „Vollmond“, das einen Berliner Abzählreim als Grundlage hat, wird bilderreich von der Reise eines kleinen Jungen zum Mond erzählt. Die anrührende Geschichte von „Da bin ich“ hingegen handelt von einer couragierten Katze, die ihren Platz in der Welt sucht und von dieser Odyssee berichtet. Zusammen mit der reduzierten, auf Hauptsätzen basierenden klaren Sprache bildet das Buch ein poetisches Gesamtwerk, welches an die schwierige Kriegs- und Nachkriegszeit spielerisch-erzählend erinnern soll.

 

Nahezu zeitgleich veröffentlichte der 1943 geborene Volker Kriegel, der eigentlich ein Berufsmusiker war, zahlreiche Kinderbücher. Das Museum zeigt die Illustrationen zu „Olaf taucht ab“, einer Trilogie um einen Elch namens Olaf, der beim Eislaufen einbricht und die geheimnisvolle Unterwasserwelt zusammen mit dem Weihnachtsmann kennenlernt – eine wundervoll, satirisch illustrierte Comicgeschichte. Von Kriegel werden außerdem die Zeichnungen zu „Die Nase der Queen“ von Dick King-Smith gezeigt.

 

 

 

 

 

 

Olaf Gulbransson, Namensgeber des Tegernseer Museums hat zahlreiche Werke von Kinderbuchautoren illustriert. Als der Verleger Bruno Cassirer 1927 die Märchen von Hans Christian Andersen herausgeben wollte, kam für ihn nur der norwegische Künstler in Betracht. Cassirer spürte, dass der kraftvolle und gleichzeitig sensible Gulbransson mit dem phantasievollen und eigenwilligen Andersen seelenverwandt war. Der subtile Humor, die Selbstironie, aber auch die kindliche Naivität war beiden gemein und so verwundert es nicht, dass aus dieser tiefen Übereinstimmung heraus besonders feinlinige und stimmungsvolle Zeichnungen zu Märchen wie „Das hässliche Entlein“, „Das Mädchen mit den Streichhölzern“ oder „Däumelinchen“ entstanden sind. Das neuaufgelegt Märchenbuch kann in einer Neuauflage exklusiv im Museum erworben werden.

 

 

Luis Murschetz nennt Gulbransson einen Titan der Zeichenkunst und ist einer der langjährigen Begleiter des Museums. So wundert es nicht, dass auch dessen Vorzeichnungen für das Kinderbuch „Der Maulwurf Grabowski“ als private Leihgabe zu sehen sind. Entstanden aus der beginnenden Umweltproblematik der 70er Jahre, hat das Buch auch heute noch größte Aktualität. Aus der Perspektive des Maulwurfs erzählt es die Geschichte des durch Bauarbeiten vertriebenen Maulwurfs in einfachen, für Kinder einprägsamen Bildern, die oft auf ein Detail fokussiert sind und somit die Dramatik der Vertreibung unterstreichen.

 

 

 

 

Als neuesten Vertreter der Kinderbuchillustration zeigt das Museum die Bücher „Der Krakeeler“, „Rosi in der Geisterbahn“, „Kuchen bei mir“, „Sehr berühmt“ sowie Kinderzimmerplakate des 1968 geborenen Sohn von Friedrich Karl Waechter, Philip Waechter. Er gehört zu der Art von Grafikern, deren Bücher auch von Erwachsenen gekauft und gesammelt werden, da sie auf berührend gezeichnete Weise einfache, aber sehr lebenskluge Geschichten erzählen. Wie z.B. von der Häsin Rosi, welche ihre Angst vor Geisterbahnen überwindet: Text und Bilder in Nah- und Fernaufnahmen werden dabei künstlerisch miteinander verwoben und lassen beim Leser ein Lächeln auf dem Gesicht nach dem dramatischen Happy End zurück.

 
 
Damit endet der Streifzug durch die Welt der Kinderbuchliteratur mit spannenden Abenteuergeschichten für kleine und große Helden. Die Zeichnungen stammen von der Landeshauptstadt Hannover im Museum Wilhelm Busch-Deutsches Museums für Karikatur und Zeichenkunst, vom Museum Wilhelm Busch-Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst und Bundesrepublik Deutschland, vom Museum Wilhelm Busch-Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst, Philip Waechter und Luis Murschetz. Wir danken den Leihgebern für Ihre Unterstützung der Ausstellung.
 
Der Ausstellungsflyer kann hier heruntergeladen werden.
 
Zum Beitrag von Ines Wagner in KulturVisionAktuell bitte hier klicken.
 
Unser museumspädagogisches Angebot für diese Sonderausstellung:
 
Bilderjagd
Für den Museumsbesuch mit Kindern steht ein Heftchen mit einer "Bilderjagd durch die Sonderausstellung" zur Verfügung. Sie erhalten es kostenlos an der Kasse. Nebst einem Rätsel zu den verschiedenen Bilderbüchern, ist mit Hilfe von Stickern der Standort der einzelnen Exponate auf einem Grundriss zu suchen.
 
KKK – Kunst, Kakao, Kekse
Freitag, 3. März 2017, 14.30 Uhr, Dauer: ca. 1 ½ h
Freitag, 21. April 2017, 14.30 Uhr, Dauer: ca. 1 ½ h

Ein Bilderbuchkino mal ganz anders, nämlich vor den originalen Vorzeichnungen beliebter Kinderbücher! Nach einer Stärkung mit Kakao und Keksen, basteln wir Buttons mit unseren Lieblingsfiguren aus den Büchern zum Anstecken.
Für Kinder von 4 bis 8 Jahren (und deren Eltern wenn sie wollen).  Kosten: € 5.- pro Kind (inklusive Museumseintritt). Anmeldung bitte bis zum Vortag im Museum unter Tel 08022-3338.