Sonderausstellung
 

Henning Wagenbreth

Sonderausstellung vom 25. September 2016 bis 29. Januar 2017

 

Nach Nachlesen und Nachören des Beitrages von Niels Beintker über Henning Wagenbreth vom 2.10.2016 im Kulturjournal von Bayerns 2 benützen Sie bitte diesen Link.

 

Henning Wagenbreth, geboren 1962 in Eberswalde, arbeitet als Zeichner, Illustrator und Grafiker in Berlin. In den sechziger und siebziger Jahren in der DDR aufgewachsen, interessierte er sich schon früh für die Welt der Kunst und Kultur – eine Welt, von der er sich Unabhängigkeit und gedankliche Freiheit versprach. Von 1982 bis 1987 studierte er an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, die er als Diplomgebrauchsgrafiker abschloss. Kurz vor dem Mauerfall gründete er zusammen mit Anke Feuchtenberger, Holger Fickelscherer und Detlef Beck die Künstlergruppe „PGH Glühende Zukunft“. Dank eines Stipendiums des Deutsch-Französischen Jugendwerkes reiste Wagenbreth 1992 nach Frankreich. Diese Paris-Erfahrung sowie die Auseinandersetzung mit Art Spiegelmans RAW-Magazin erweckte sein Interesse am Genre des Comics. Karikaturisten wie Mark Beyer, Pascal Doury oder Marc Caro haben seitdem einen großen Einfluss auf seinen grafischen und narrativen Stil.

 

 

 

 

Wagenbreth wurde für seine Plakatentwürfe und Bücher mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Im Wettbewerb „Die schönsten deutschen Bücher“ der Stiftung Buchkunst erhielt er den ersten Preis für das Kinderbuch „Mond und Morgenstern“. Seit 1994 lehrt er im Studiengang Visuelle Kommunikation an der Universität der Künste Berlin. Dazu kommt eine rege Ausstellungstätigkeit mit prominenten Ausstellungshäusern wie dem Salon Lissabon (2003), der New York Times Gallery in New York (2008) oder dem Victoria&Albert Museum in London (2013).

 

Manuelle und industrielle Drucktechniken versteht Wagenbreth als wichtigen Teil seines künstlerischen Schaffens. Ob Bleistiftzeichnung, Aquarell, Linolschnitt, Offset- und Siebdruck – sein Portfolio ist so vielfältig wie seine Interessen. Er arbeitet für Presse, Verlage und Theater auf der ganzen Welt – ein offener, neugieriger Geist, der immer auf der Suche nach neuen Projekten ist. Die Ausstellung im Olaf Gulbransson Museum zeigt die gesamte thematische und grafische Breite seiner Arbeiten, die zwischen Design und Kunst oszillieren: Plakate, Grafiken, Bücher und Briefmarken sowie experimentelle Projekte wie die elektronischen Comics und das Illustrationssystem »tobot« – halb Spielzeug, halb Roboter.

Wagenbreths Arbeiten leben von wenigen, scharf kontrastierenden Farben, die mutig nebeneinander gesetzt, den visuellen Eindruck bestimmen. Die einzelnen Farbfelder sind durch präzise Linien getrennt, welche auch die sparsamen Schattierungen angeben. An dieser Art der Linienbehandlung erkennt man ganz deutlich, dass seine Inspirationsquelle in der Tradition des europäischen und asiatischen Holzschnitts liegt. Das ist vor allem an den Figuren sichtbar, deren scharf definierte Umrisse, eckige Formen und automatisierte Bewegungen bisweilen an Computerspiele der 90er Jahre erinnern. Die erschaffenen Welten erscheinen bizarr, der künstlerische Griff zum „close up“ wird gerne verwendet.

 

 

Betrachtet man die Werke Wagenbreths genauer, so scheint es, als würde man vor einem gut organisierten, modernen Kuriositätenkabinett stehen, voll von verschachtelten Räumen, die wiederum von mäßig sympathischen, zombie-ähnlichen Wesen bevölkert und beherrscht werden, ganz in ihr geschäftiges Treiben vertieft, dennoch immer wieder den Kontakt zum Betrachter suchend. Sie sind keine künstlich erschaffenen Kreaturen, sondern ein überaus kritisches Abbild unserer Welt, unterwegs zwischen der Gegenwart, der Vergangenheit und Zukunft. In Witz und Satire eingebettet bieten sie eine hochintellektuelle und kritische Darstellung der kulturellen und wirtschaftlichen Unterschiede in der heutigen Gesellschaft. Sie sind eigentlich ein Kommentar, das eine politische Seite in Wagenbreths künstlerischem OEuvre offenbart.

 

 

Der Ausstellungsflyer kann hier heruntergeladen werden.